Technisches SEO ist der am wenigsten sichtbare Teil der Suchmaschinenoptimierung und zugleich der Teil, in dem wir bei einer Nullmessung die meisten Fehler finden. Eine Website kann wunderschön aussehen und trotzdem Seiten haben, die Google nie erreicht. Diese Checkliste für technisches SEO hilft dir, solche Fehler selbst aufzuspüren.
Was ist technisches SEO genau?
Technisches SEO umfasst alle Anpassungen an der Technik deiner Website, die Suchmaschinen helfen, deine Seiten zu finden (crawlen), zu speichern (indexieren) und zu verstehen. Es geht also nicht um den Text auf deinen Seiten und auch nicht um Links von anderen Websites, sondern um das Fundament darunter. Ohne dieses Fundament nützt der schönste Content wenig.
Die Checkliste für technisches SEO in 11 Punkten
Geh die Punkte in dieser Reihenfolge durch. Die ersten vier entscheiden, ob Google deine Seiten überhaupt sehen kann, der Rest entscheidet, wie gut das läuft.
| # | Punkt | Wichtigstes Tool |
|---|---|---|
| 1 | Indexierung | Google Search Console |
| 2 | Robots.txt | Browser, Search Console |
| 3 | XML-Sitemap | Search Console |
| 4 | Canonicals | Crawler (zum Beispiel Screaming Frog) |
| 5 | Statuscodes und Redirects | Crawler, Search Console |
| 6 | Geschwindigkeit und Core Web Vitals | PageSpeed Insights |
| 7 | Mobil | Dein eigenes Handy, PageSpeed Insights |
| 8 | Interne Links | Crawler |
| 9 | Strukturierte Daten | Test für Rich-Suchergebnisse |
| 10 | Duplicate Content | Crawler, site:-Suche |
| 11 | HTTPS | Browser, Search Console |
1. Indexierung: Stehen deine Seiten bei Google?
Beginne in der Google Search Console beim Bericht Seiten (unter Indexierung). Dort siehst du, welche URLs indexiert sind und welche nicht, mit dem Grund dazu. Achte vor allem auf Seiten, die du ranken lassen willst, aber die “Durch noindex-Tag ausgeschlossen” oder “Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert” sind.
Schnelle Prüfung: Gib site:deinedomain.de bei Google ein. Hast du 40 Seiten und Google zeigt 400, hast du wahrscheinlich ein Problem mit Filtern, Tags oder Parametern.
2. Robots.txt: Blockierst du nicht versehentlich zu viel?
Die Datei deinedomain.de/robots.txt sagt Crawlern, welche Teile deiner Website sie nicht besuchen dürfen. Zwei klassische Fehler:
- Ein
Disallow: /, das nach dem Livegang einer neuen Website stehen geblieben ist. Damit sperrst du die ganze Website. - CSS- oder JavaScript-Ordner blockieren. Google muss diese Dateien laden können, um deine Seiten so zu rendern, wie ein Besucher sie sieht.
Gut zu wissen: Eine Seite in der robots.txt zu blockieren, entfernt sie nicht aus dem Index. Willst du eine Seite aus Google entfernen, nutze einen noindex-Tag auf der Seite selbst und lass die robots.txt diese Seite zu.
3. XML-Sitemap: eine aktuelle Liste deiner wichtigen Seiten
Eine Sitemap ist eine Datei mit allen URLs, die du indexiert haben willst. Prüfe, ob:
- die Sitemap existiert und in der Search Console eingereicht ist;
- nur Seiten drinstehen, die einen 200-Statuscode liefern, nicht auf noindex stehen und per Canonical auf sich selbst verweisen;
- die Sitemap automatisch aktualisiert wird, wenn du Seiten hinzufügst oder entfernst.
Eine Sitemap darf maximal 50.000 URLs enthalten. Größere Websites teilen die Sitemap in mehrere Dateien mit einem Sitemap-Index auf.
4. Canonicals: Welche Version zählt?
Mit einem Canonical-Tag (<link rel="canonical">) gibst du an, welche URL die Hauptversion ist, wenn derselbe Inhalt unter mehreren Adressen steht. Denk an eine Produktseite mit und ohne Filterparameter oder mit und ohne Schrägstrich am Ende.
Häufige Fehler: Canonicals, die auf eine 404 oder einen Redirect zeigen, jede Seite, die auf die Startseite verweist (passiert bei schlecht eingestellten Plugins), oder Seiten ohne Canonical. Beachte: Ein Canonical ist ein starkes Signal, kein Befehl. Google kann abweichen, wenn andere Signale in eine andere Richtung zeigen.
5. Statuscodes und Redirects
Jede URL liefert einen Statuscode zurück. Die wichtigsten:
| Code | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| 200 | Seite funktioniert | Nichts |
| 301 | Dauerhaft verschoben | In Ordnung, sofern das Ziel stimmt |
| 302 | Vorübergehend verschoben | Durch 301 ersetzen, wenn es dauerhaft ist |
| 404 | Nicht gefunden | Weiterleiten, wenn es eine gute Alternative gibt, sonst lassen |
| 500 | Serverfehler | Sofort beheben |
Crawle deine Website und schau auf Redirect-Ketten (A nach B nach C) und Redirect-Schleifen. Jeder zusätzliche Schritt kostet Crawl-Budget und bremst den Besucher. Prüfe auch, ob alte URLs nach einer Migration sauber weitergeleitet sind. Das zu vergessen ist einer der teuersten Fehler im technischen SEO, die wir sehen: Du verlierst auf einen Schlag Rankings, die du über Jahre aufgebaut hast.
6. Geschwindigkeit und Core Web Vitals
Google misst die Nutzererfahrung mit drei Core Web Vitals:
- LCP (Largest Contentful Paint): wie schnell das größte Element im Bild steht. Richtwert: innerhalb von 2,5 Sekunden.
- INP (Interaction to Next Paint): wie schnell die Seite auf einen Klick oder Tipp reagiert. Richtwert: innerhalb von 200 Millisekunden.
- CLS (Cumulative Layout Shift): wie stark die Seite beim Laden springt. Richtwert: unter 0,1.
Diese Zahlen findest du in PageSpeed Insights und in der Search Console. Schau vor allem auf die Felddaten (die Erfahrung echter Besucher), nicht nur auf den Laborwert. Der größte Gewinn steckt meistens in zu großen Bildern, zu vielen externen Skripten und langsamem Hosting.
7. Mobil
Google indexiert die mobile Version deiner Website. Was auf dem Desktop steht, aber mobil weggelassen wird, zählt also nicht. Prüfe auf deinem Handy, ob aller Content, alle internen Links und strukturierten Daten auch mobil vorhanden sind und ob Buttons und Text ohne Zoomen nutzbar sind.
8. Interne Links
Interne Links sagen Google, welche Seiten wichtig sind, und helfen Crawlern, alles zu finden. Suche mit einem Crawler nach:
- verwaisten Seiten (Orphan Pages): Seiten ohne einen einzigen internen Link dorthin;
- Seiten, die nur über fünf oder mehr Klicks von der Startseite erreichbar sind;
- internen Links auf Redirects oder 404-Seiten.
Deine wichtigsten Seiten sollten innerhalb von drei Klicks von der Startseite erreichbar sein.
9. Strukturierte Daten
Mit strukturierten Daten (nach schema.org, meistens als JSON-LD) erklärst du, was auf einer Seite steht: ein Produkt mit Preis und Verfügbarkeit, ein Unternehmen mit Adresse und Öffnungszeiten, eine FAQ. Das kann Rich-Suchergebnisse bei Google bringen, etwa Sterne oder Preise in den Suchergebnissen.
Prüfe deine Seiten mit dem Test für Rich-Suchergebnisse von Google. Häufige Fehler: ungültiges JSON, leere Felder und Markup, das nicht zu dem passt, was sichtbar auf der Seite steht.
10. Duplicate Content
Doppelte Inhalte entstehen öfter versehentlich als bewusst. Denk an http und https oder mit und ohne www, die beide erreichbar sind, Produktvarianten mit nahezu identischem Text, Filterparameter und eine Testumgebung, die indexiert ist. Lösungen: Redirects für Domainvarianten, Canonicals für Parameter und Varianten, und ein Passwort auf Testumgebungen.
11. HTTPS
Deine gesamte Website sollte über https laufen, mit gültigem Zertifikat und einem Redirect aller http-Varianten. Prüfe auch auf Mixed Content: Seiten, die über https laden, aber noch Bilder oder Skripte über http nachladen. Browser zeigen dann Warnungen, und das kostet Vertrauen.
Fehler im technischen SEO, die wir am häufigsten sehen
In unseren technischen SEO-Audits tauchen immer wieder dieselben Muster auf:
- Alte URLs ohne Redirect nach einer neuen Website oder Migration.
- Noindex oder eine Robots-Sperre, die versehentlich live gegangen ist.
- Filterseiten, die Tausende leere oder doppelte URLs erzeugen.
- Bilder mit mehreren Megabyte auf der Startseite.
- Strukturierte Daten, die zwar da sind, aber ungültig sind oder leere Felder enthalten.
- Tracking, das nicht stimmt, sodass du Verbesserungen nicht nachweisen kannst.
Das Letzte fällt offiziell nicht unter technisches SEO, ist aber die erste Prüfung, die wir machen. Mehr dazu in Consent Mode v2 und GA4-Conversions.
Aus der Praxis: Bei unseren eigenen Unternehmen Djunes und Rij Ruimer haben wir immer mit der Technik begonnen, bevor wir Content geschrieben haben. Bei Djunes wuchs der organische Traffic in zwölf Monaten um 187 Prozent. Ein Teil dieses Wachstums kam aus Content, aber die Technik musste zuerst stimmen, damit dieser Content ranken konnte.
Wie gehst du ein technisches SEO-Audit an?
Eine technische SEO-Analyse machst du in drei Schritten:
- Sammeln. Crawle deine Website, exportiere die Berichte aus der Search Console und lass PageSpeed Insights über deine wichtigsten Seitentypen laufen.
- Priorisieren. Ein noindex auf deiner wichtigsten Kategorieseite ist dringend, ein fehlender Alt-Text auf einem Icon nicht. Sortiere nach Wirkung und danach, wie viele Seiten betroffen sind.
- Beheben und kontrollieren. Setze die Fixes um, beantrage in der Search Console ein erneutes Crawlen und prüfe nach ein paar Wochen, ob die Fehler verschwunden sind.
Technisches SEO ist nie fertig. Jedes neue Plugin, jedes Theme und jede Content-Änderung kann etwas kaputtmachen. Plane deshalb eine feste Prüfung ein, zum Beispiel jedes Quartal.
Was kommt nach der Technik?
Sobald das Fundament steht, kommt der Rest: Keyword-Recherche, SEO Texte schreiben und Links aufbauen. Rechne bei SEO im Schnitt mit vier bis sechs Wochen, bis du die ersten Ergebnisse siehst.
Bei Stijgt startet jedes SEO-Projekt mit einer Nullmessung, in der diese Checkliste ein fester Bestandteil ist, neben einer Analyse deines Trackings und deiner Marketingkanäle. Willst du wissen, wie deine Website dasteht? Nimm Kontakt auf oder sieh dir unsere SEO-Leistung an.